Vom Parkdeck zur Flusslandschaft. Aushandlung von Urbanität am Beispiel von Bau und Abriss der Siegplatte als Doing City
DOI:
https://doi.org/10.60684/msg.v57i1.110Schlagwörter:
Städtebau, Mittelstadt, Diskurs, PerformanzAbstract
Im Jahr 1968 baute die Stadt Siegen unter großem Zuspruch der Bevölkerung einen zentralen Parkplatz in der Innenstadt, um das zunehmende Problem des ruhendes Verkehrs zu lösen. Dass dieser Parkplatz in Form einer Überkragung über dem namensgebenden Fluss Sieg lag und diesen nahezu völlig überdeckte, wurde in einer Zeit der Konsumorientierung nach den Jahren des Wiederaufbaus in der Nachkriegszeit nicht kritisch diskutiert, sondern als positive Entwicklung bewertet, die der Stadt mehr Urbanität verleihen sollte. Schnell nahmen die Bewohner*innen die neue Parkfläche an. Als 40 Jahre später aufgrund der Notwendigkeit aufwändiger Sanierungsarbeiten die Zukunft der Flussüberkragung zur Diskussion stand, favorisierte zumindest ein Teil der Siegener*innen den Abriss der Betonplatte und die Offenlegung der Flusslandschaft und definierte so urbane Qualität neu. Das Beispiel zeigt, wie Urbanität im Rahmen des Konzepts eines „Doing City“ von der Stadtgesellschaft zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich performativ und diskursiv ausgehandelt sowie baulich umgesetzt wurde.
In 1968, the city of Siegen built a central parking lot in the inner city in order to solve the growing problem of stationary traffic. The public responded with great enthusiasm. The fact that this parking lot was built in the form of a cover over the river Sieg, which gives the city its name, and almost completely hid the river. In a time of consumerism following the years of post-war reconstruction was not critically discussed, but was instead viewed as a positive development that would give the city a more urban feel. The residents quickly took to the new parking area. When, 40 years later, the future of the river cover was up for discussion due to the need for extensive renovation work, at least some of the residents of Siegen favored demolishing the concrete slab and opening up the river landscape, thus redefining urban quality. This example shows how urbanity was negotiated performatively and discursively and implemented structurally by urban society at different times as “Doing City.”
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